Weihnachts-Fenster 2025


Es wird leicht, wenn es Licht wird

Geschichte von Reto Lüthy
(Bild KI generiert)

(Geschichte und Personen sind frei erfunden)

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Es ist 23:30 Uhr, die Kirchenglocken läuten den Mitternachtsgottesdienst am Heilig Abend aus. Magdalena Münsterthaler macht sich nachdenklich auf den Heimweg. Übe die Bahngleise, am Migros vorbei und dann der Uerke entlang bis zur Suhrenmattstrasse. Die Strassenlampen zeichnen ein diffuses Bild in die neblige Nacht. 

Sie hat es nicht eilig nach Hause zu kommen. Vorbei am Boesner biegt sie bald in die Quellmattstrasse ein, am Feld vorbei und nähert sich dem Kirchweg. Eigentlich will sie weiter geradeaus gehen bis zu ihrem Haus am Leubachweg, aber ein helles Licht zieht sie Richtung Unterführung. 

Sie ist etwas enttäuscht, als sie erkennt, dass das Licht eine Arbeitsleuchte ist, denn ein junger Mann ist gerade dran, seinen Reifen zu wechseln. «Frohe Weihnachten!», sagt sie zu dem jungen Mann, der sie erstaunt anschaut. Kopfschüttelnd sagt er: «die kann mir gestohlen bleiben, diese Weihnachten!» 

Magdalena erkundigt sich warum? Der junge Manne erklärt ihr, dass er vor einer halben Stunde die Familien-Weihnachtsfeier verlassen hat. Seine Mutter hat ihm wieder Vorwürfe gemacht hat, weil er nicht wie gewünscht studiert hat, sondern nur Elektriker geworden ist. Es sei jedes Jahr dieselbe traurige Geschichte. Und als er zum Auto gekommen ist, hatte er vorne rechts einen Platten. 

«Ach dann verstehe ich, dass es für Sie keine frohen Weihnachten sind“, bemerkt Magdalena. Der junge Mann mustert die ältere Dame und fragt schmunzelnd: «Wo gehen Sie denn hin? Für den Ausgang sind Sie doch schon etwas zu alt, oder?» Beide lachen herzlich und grad fühlt es sich gut an, jetzt hier zu sein. 

«Ich war in der Kirche am Mitternachtsgottesdienst. Da gehe ich jedes Jahr hin am Heilig Abend. Und es war auch heute wieder schön, wie Pfarrer Samuel das Weihnachtsgeschehen erzählt hat. Am meisten hat es mich beeindruckt, dass Jesus Licht in die Finsternis gebracht hat. Und jetzt lachen Sie mich bitte nicht aus, aber als ich ihre helle Lampe gesehen habe, da dachte ich einen Moment…» Der junge Mann schaut sie an und beendet den Satz, den Magdalena nicht aussprechen wollte, weil es ihr peinlich ist: «… dass dies das Licht ist, von dem der Pfarrer gesprochen hat?» Sie nickt nur, und schaut beschämt zu Boden. 

Der junge Mann steht auf, hält ihr seine schmutzige Hand entgegen und sagt: «Ich bin Sandro. Entschuldigen Sie bitte die schmutzigen Hände, aber ich möchte Ihnen jetzt die Hand geben. Wissen Sie, ich bin noch nie mit Jesus verwechselt worden…» Beide lachen, Magdalena stellt sich vor und sagt dem jungen Mann, dass man sich doch grad duzen soll. So sei es einfacher. 

Sandro fragt nach dem Gottesdienst. Er fragt, warum sie denn zur Kirche gehe? Das sei doch eine etwas veraltete Geschichte von diesem Jesus? Magdalena schüttelt den Kopf: «Du kannst mir sagen, dass ich alt werde, aber die Geschichte von Jesus, die wird nie alt. Die beeindruckt mich jeden Tag aufs Neue.»

Sandro schaut sie staunend an. Er spürt, dass sie es ernst meint und getraut sich grad nicht weiter zu fragen. Es ist, wie ein ‚heiliger Moment‘. Komisch, dass er einen solche Gedanken hat… Magdalena fragt ihn: «Was machst du jetzt? Gehst du nach Hause? Hier im Dunkeln in dieser Kälte wirst du ja wohl nicht bleiben wollen?» Sandro erzählt ihr von seiner WG in Aarau, seinen zwei Kollegen und dass er noch nicht nach Hause kann. Seine Gedanken drehen immer noch. 

Magdalena tritt nervös von einem Fuss auf den anderen. Aber es sieht glücklicherweise so aus, wie wenn sie kalt hätte. «Das habe ich in meinem Leben noch nie gemacht! Nicht am Tag und schon gar nicht in der Nacht. Aber komm doch zu mir, ich mache uns einen heissen Tee und wir unterhalten uns noch ein wenig. Ich kann jetzt auch noch nicht schlafen gehen.»

Bei Magdalena angekommen wäscht sich Sandro seine Hände und kommt dann ins Wohnzimmer. Es sieht halt schon aus, wie bei einer alten Dane, denkt er sich und schmunzelt. Aber es ist eine nette alte Dame. Sein Blick fällt auf ein Bild an der Wand mit einer Schafherde und einem Hirten. Darunter steht in grossen Buchstaben: «DER HERR IST MEIN HIRTE, MIR WIRD NICHTS MANGELN.» 

Grad kommt Magdalena mit dem Tee und einer grossen Dose voller Weihnachtsguezli herein. Sandro dreht sich um und fragt: «Darf ich fragen, warum du ein solches Bild aufhängst? Hat das etwas mit deinem Glaubens zu tun?» Magdalena nickt. «Das ist ein Vers aus einem Psalm. Das ist eines der Bücher der Bibel. Darf ich ihn dir vorlesen? 

Sandro zuckt mit den Schultern, nimmt sich ein Guezli und schaut, wie Magdalena die Bibel öffnet. Obwohl sie kein Buchzeichen hat, scheint sie genau zu wissen, wo dieser Psalm (oder wie das heisst) steht. Sie liest laut: 

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er lagert mich auf grünen Auen, er führt mich zu stillen Wassern. Er erquickt meine Seele. Er leitet mich in Pfaden der Gerechtigkeit um seines Namens willen. Auch wenn ich wandere im Tal des Todesschattens, fürchte ich kein Unheil, denn du bist bei mir; dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde; du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, mein Becher fließt über. Nur Güte und Gnade werden mir folgen alle Tage meines Lebens; und ich kehre zurück ins Haus des HERRN lebenslang.

Sie schaut auf, nimmt ihre Lesebrille ab und schaut zu Sandro. Er schaut ihr direkt in die Augen, während dem Tränen über seine Backen rollen. «Noch nie in meinem ganzen Leben habe ich so etwas schönes gehört», sagt er und schnieft laut. «Mir war es grad, als ob dein Licht, von dem du draussen gesprochen hast, grad hier und jetzt leuchtet. 

Jetzt läuft Magdalena eine Träne über ihr Gesicht. Das hat sie noch nie erlebt, dass jemand so auf eine Stelle aus der Bibel reagiert. «Wow, jetzt bin ich grad sprachlos», sagt sie leise. Das berührt mich grad sehr. DAS ist der Jesus von dem ich vorhin gesprochen habe. Er ist so gut zu uns. Und weisst du, er ist auf die Erde gekommen als Baby in einer Krippe und später am Kreuz für unsere Sünden gestorben. Das hat meinem Leben das Schwere genommen und alles leichter gemacht.»

«Ich verstehe nichts davon», sagt Sandro, «aber kann ich das auch haben? Ich möchte auch, dass es leicht wird in meinem Leben.» Magdalena schaut ihn staunend an. Seit 40 Jahren betet sie, dass sie Menschen begegnen, ihnen von Jesus erzählen und sie zu IHM führen darf. Und nun sitzt da dieser junge Mann und fragt einfach, ob er das auch haben kann… 

Magdalena nickt fleissig. «Aber JA! Das ist für alle Menschen zu haben. Gerade jetzt auch für dich lieber Sandro. Wollen wir zusammen beten?» Sandro weiss nicht recht, was er jetzt tun muss. Deshalb fragt er sie: «Wie geht das?» «Beten ist Sprechen mit Jesus. So wie du mit mir sprichst, so kannst du mit ihm sprechen.»

Magdalena nimmt die Hände von Sandro. «Komm und sprich mir nach: Herr Jesus, ich gebe dir mein Leben. Ich kehre um von meinem sündigen Weg und mache dich zu meinem Herrn und Heiland. Komm in mein Herz und mache mich zu einem Nachfolger von dir.» Sandro spricht ihr nach und mit jedem Satz merkt er, wie es leicht wird in seinem Herzen und Licht in seinem Leben. 

Das Ende dieser Geschichte ist ein Neuanfang. Ich bin gespannt, wo wir Sandro begegnen werden und wie sein Weg mit Jesus sein wird. 

© 2025 Reto Lüthy